Silbermedaille handball-wm: deutschland verliert stars im ausland – liga steht vor herausforderung
Deutschland feierte bei der Heim-WM im Handball Silber, doch der Erfolg hat einen bitteren Nachgeschmack: Immer mehr deutsche Nationalspielerinnen ziehen ins Ausland.
Abwanderung saugt handball-bundesliga aus
Die deutsche Handball-Frauennationalmannschaft erlebte einen Triumph bei der Weltmeisterschaft, doch die Freude ist getrübt. Die Silbermedaille brachte ein Millionenpublikum, doch die Angst vor einem Nachwuchsmangel wächst: Ein Großteil der erfolgreichsten Spielerinnen verstärkt künftig Klubs im Ausland.
Vier Spielerinnen des aktuellen WM-Teams – Katharina Filter (Team Esbjerg), Emily Vogel (FTC Budapest), Annika Lott (Brest Bretagne) und Viola Leuchter (Odense Handbold) – haben bereits Verträge im Ausland unterschrieben. Zudem zogen Xenia Smits (Metz) und Aimee von Pereira (Kopenhagen) vor dem Turnier, und Julia Maidhof (SCM Ramnicu Valcea) ebenfalls, ins Ausland. Im Sommer werden mit Nina Engel (CS Gloria Bistrita) und Marie Steffen (Rapid Bukarest) weitere Spielerinnen folgen. Praktisch die Hälfte der Nationalmannschaft wird demnach nicht mehr in der Handball-Bundesliga der Frauen spielen.
Bundestrainer Markus Gaugisch sieht darin eine große Herausforderung für die Liga. „Wir müssen gemeinsam wachsen, müssen versuchen, die Bedingungen für die Spielerinnen zunächst mal so professionell hinzubekommen, dass sie Handball als ihren Beruf definieren können und dass sie ein gutes Trainingsumfeld haben“, sagt Gaugisch. Die Hoffnung ist, dass die Liga nicht nur mit einem, sondern dauerhaft mit zwei Klubs in der Champions League vertreten ist – ein wichtiger Schritt für die Entwicklung.

Mehr als nur geld: das persönliche wachstum im ausland
Für Spielerinnen wie Viola Leuchter war der Wechsel ins Ausland ein Sprung ins kalte Wasser. Die junge Linkshänderin, die als Weltspinkballerin ausgezeichnet wurde, musste sich schnell an die neue Situation anpassen. „Man lernt neue Leute kennen, man lernt so gut es geht eine neue Sprache und hat natürlich handballerisch nochmal einen ganz anderen Input, was mir in meiner Entwicklung auf jeden Fall hilft“, so Leuchter. Die Professionalität und das Gehalt spielen eine Rolle, aber nicht die alleinige Entscheidung.
Teammanagerin Anja Althaus versteht die Abgänge, betont aber die Notwendigkeit, die Liga zu verbessern. „Wir müssen die Vereine weiterentwickeln und diese Liga auf ein besseren Niveau mit professionelleren Rahmenbedingungen heben“, fordert sie. Sie hofft, dass die Spielerinnen ihren Sport als Beruf sehen und dafür entlohnt werden, sodass sie nicht mehr ins Ausland müssen, um diese Möglichkeiten zu finden. Und wenn das gelingt, werden auch die Top-Stars wieder nach Deutschland zurückkehren.
Der WM-Triumph hat eine Welle der Begeisterung ausgelöst: 40 junge Frauen meldeten sich nach dem Turnier neu beim HC Weiden an. Ein Beweis dafür, dass die Nationalmannschaft als Vorbild funktioniert. Gaugisch betont: „Wir sind noch nicht am Ende unserer Entwicklung.“ Die Abgänge sind ein Zeichen, dass die Liga international stärker werden kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Liga wird sich verändern, aber der Handball in Deutschland hat eine neue Chance.
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